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Die spielerische Leichtigkeit des Seins

oder warum wir auch als Erwachsene mehr Spielen sollten.


Viele von uns sehnen sich nach mehr Leichtigkeit und Freude im Sein. Doch irgendwie haben wir es verlernt, einfach mal ganz sinnlos unsere Zeit zu verschwenden oder ganz mutig gerade das zu tun was wir möchten. Im Strudel des Alltags sind wir abgelenkt von den neusten Nachrichten und dem was alles im Aussen passiert. Und damit mitten drin im Weltgehschehen aber weit weg von Leichtigkeit und Freude.


Dieses Gefühl von Leichtigkeit entsteht, wenn wir innerlich zentriert sind. Wenn wir bewusst im Jetzt und präsent sind. Wenn wir uns einlassen können auf das was gerade ist, ohne was zu müssen oder zu wollen. Einfach das tun was uns gerade Freude macht. Ohne Ziel und Ergebnis.


Kürzlich haben wir an einem Abend mal wieder die Jasskarten hervorgeholt. Absolut konzentriert und im Moment präsent, versuchten wir bei jeder Runde startegisch geschickt und in Zweiterteams unsere Karten zu spielen. Mehr oder weniger erfolgreich. An diesem Abend haben wir Tränen gelacht, total die Zeit vergessen und uns im Jetzt verloren. Der Abend war geprägt von Freude, Leichtigkeit und Entspannung. Ohne viel rundherum und nur mit einem Spiel.


Aber wieso schenkte uns dieser Moment des Spiels so viel Leichtigkeit und Freude?

Beim Spielen nutzen wir unsere Fantasie und schärfen Sinneswahrnehmungen. Spielen lässt uns die Zeit vergessen, hilft uns Eindrücke zu verarbeiten, zu lernen, sich selbst besser wahrzunehmen und ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln. Und wer die eigenen Fähigkeiten spielerisch erprobt und erweitert, gewinnt dadurch Flexibilität, um in verschiedenen Situationen zuerecht zu kommen.


So vieles kann geschehen, das verhindert, dass wir uns glücklich fühlen. Darauf haben wir nur begrenzt Einfluss. Eine spielerische Haltung hilft aber, auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Spielen ist der natürliche Zustand des Menschen. Beim Spielen tust du das, was deinem Innersten entspringt. Das, was du tust, ist also in Harmonie mit dem, was du tun willst. Das fühlt sich stimmig an. Du hast Freude am tun.

(Nando Stöcklin)


In der ganzen Menschheitsgeschichte ist die Rolle des "Spiels" dokumentiert. So gibt es beispielsweise viele Bilder und Berichte, welche aufzeigen, dass bereits im alten Reich der Ägypter u.a. Puppen, Bälle und Wagen zum Spielen genutzt wurden. Auch in unserer Sprache ist das "Spiel" tief verankert. Wir alle kennen Formulierungen wie:


  • Das spielt doch kein Rolle

  • Ich habe alles aufs Spiel gesetzt

  • Jemand hat es ein für allemal verspielt

  • Jemand spielt mit dem Feuer

  • Ich verstehe überhaupt nicht was hier gespielt wird


In der Entwicklungspsychologie und in der Pädagogik nimmt Spielen ebenfalls eine ganz grosse Rolle ein. Kinder entwickeln durchs Spielen wichtige Fähigkeiten und sammeln grundlegende Erfahrungen für ihr späteres Leben. Wenn Kinder spielen, tun sie genau das, was sie in dem Moment für ihre gesunde Entwicklung benötigen.


Obwohl der Impuls des Spielens in jedem Mensch lebt und tief in unserem Mensch-Sein verankert ist, verbinden wir den Begriff "Spielen" heute oft nur mit dem Spiel von Kindern oder Erinnerungen an eigene Kindheitsspiele.


Ich erinnere mich beispielsweie daran, wie in meiner Kindheit unsere Velos zu Pferden wurden oder wir stundenlang im Wald Höhlen aus Steinen und Moos bauten. Und wie wir uns in diesen selbst gebauten Höhlen versteckt haben, vor Lachen den Bauch haltend, weil uns die Eltern nicht finden konnten. Bis dann zum Abendessen gerufen wurde. Dann waren wir jeweils ziemlich schnell wieder vor Ort und präsent in der Erwachsenenwelt. Niemand von uns wollte die Leckereien vom offenen Feuer und unter freiem Himmel verpassen.


Oder schon mal zwei Katzen oder Hunden beim Spielen zugeschaut? Ja, auch Tiere spielen - Untersuchungen zeigen sogar, dass Spiele notwendig sind für das spätere Sozialverhalten und Überleben von Tieren.


Doch was braucht es für ein gutes Spiel?

Damit eine Tätigkeit als Spiel gilt und somit beste Voraussetzung für einen Moment der Leichtigkeit mit sich bringt, braucht es:


  • die Tätigkeit ist selbst gewählt - nur du kannst entscheiden, was für dich Spielen ist

  • Die Tätigkeit ist herausfordernd - langweile und Überforderung würden sich nicht wie ein Spiel anfühlen

  • die Tätigkeit an sich zählt - es geht nicht darum eine Leistung zu erfüllen oder ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen (Bspw. zu gewinnen). Sondern in der Herausforderung ganz einzutauchen. Egal was daraus entsteht.


Ein Spiel ist eine Herausforderung, die freiwillig gewählt wird und der Fokus auf der Tätigkeit selbst liegt.

(Nando Stöcklin)


Als Erwachsene unterdrücken wir unseren Spieltrieb und stellen das Ergebnis oder die Leistung "es muss zu was nützlich sein" in den Vordergrund. Spielen ist für uns Erwachsene schlichtweg banal und passt nicht in unsere zielorientierte Gesellschaft, in welcher Zeit ein kostbares Gut ist. So haben wir gelernt, uns auf die Anforderungen und Erwartungen des Erwachsenseins zu konzentrieren, statt auf unser Innerstes zu hören und darauf was dort spielerisch entspringt.


Kinder hingegen spielen frei und unbeschwert. Sie spielen mit dem was da ist und besitzen die Fähigkeit ganz gewöhnlichen Alltagsgegenständen mit ihrer Fantasie Leben einzuhauchen. So werden ganze Burgen mit Legosteinen aufgebaut, Alltagsgegenstände werden umfunktioniert, blaue Bauklötze werden zum See und die Vorräte von Zuhause zu Produkten im eigenen "Krömerlilade".


Spielen gehört zum Mensch sein, begleitet uns durch unser Leben und erfüllt wichtige Funktionen - oder wie Friedrich Schiller sagt:


"Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt."

(Friedrich Schiller)


Ausrechnen wie viele Trümpfe noch im Spiel sind, gedanklich Spielstrategien zurechtlegen - das war ziemlich eine Herausforderung bei unserem Jassabend. Gleichzeitig brauchte es ein gutes Zusammenspiel - Anzeigen einer Farbe und je nach Spielsituation und Spielweise gibt es nicht immer richtig oder falsch, sondern mehrere Spieloptionen. Das Ergebnis spielt dabei eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Zusätzlich gab es eine Portion Reflexion nach jeder Runde - die Diskussionen wer wie was gelegt hat passiert automatisch. Die passenden Sprüche dazu auch. Und erst die Spannung, wenn du deine Karten aufnimmst und nicht weisst, welches Blatt dich erwartet, was dein:e Spielpartner:in für Karten hat und welche Spielzüge dadurch möglich werden. Die besten Zutaten für einen unterhaltsamen Abend mit viel Leichtigkeit.


Manchmal sind wir im Alltag gefangen, weil wir denken, dass das was wir tun richtig sein muss. Muss etwas Bedeutendes sein. Da kann es helfen einfach mal wieder Spiel und Leichtigkeit reinzubringen.


Es geht dabei nicht darum den Alltag oder die Dinge, die im Aussen passieren, zu verdrängen. Sondern vielmehr darum, ab und zu bewusst den Fokus auf Leichtigkeit zu setzen. Der Spieltrieb ist in jedem von uns angeboren - also holen wir doch unser inneres Kind hervor und nutzen bewusst diese wertvolle Fähigkeit als Erwachsene: Kartenspiel, Schauspiel, Brettspiele, Musikspiele, Singen, Wortspiele - Ideen gibt es viele. Wichtig dabei ist etwas zu tun einfach der Freude wegen, kein Ziel zu haben und genau das zu tun was unserm Innersten entspringt. Dann darf auch Leichtigkeit entstehen.



Quellen:

Nando Stöcklin, Spiel dein Leben, über die Leichtigkeit des Lebens, 2021

Filtner A., Spielen-Lernen. Praxis und Deutung des Kinderspiels, 1977

Rolf Oerter, die Psychologie des Spiels, 2013













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